Cyberangriffe: Automobilindustrie stark betroffen

Cyberangriffe: Automobilindustrie stark betroffen

Beitrag teilen

Eine neue Studie zeigt: die Automobilindustrie und Zulieferer sind besonders häufig von Cybervorfällen betroffen. Trend Micro hat die Cyberangriffe untersucht und die Daten ausgewertet: sie zeigt 50 signifikante Sicherheitsvorfälle zwischen 2021 und 2022.

Trend Micro veröffentlicht eine neue Studie zur Cybersicherheit im Automobilsektor. Die Analyse von mehr als 50 signifikanten Sicherheitsvorfällen zwischen Januar 2021 und Juni 2022 zeigt: Alle Bereiche entlang der Produktions- und Lieferkette sind betroffen. Besonders gefährdet sind die Zulieferer. Am häufigsten kommt es zu Ransomware-Attacken und Datendiebstahl. Außerdem identifiziert der japanische IT-Sicherheitsspezialist Hochrisiko-Bereiche von vernetzten Autos und stellt Security-Prognosen für 2023 auf.

Schnelle Entwicklung forciert Sicherheitslücken

Die Automobilbranche steht unter Druck, die Transformation zur Elektromobilität zu meistern. Durch die Energiekrise hat die Entwicklung weiter an Fahrt aufgenommen. Immer mehr E-Autos kommen auf die Straße. Doch der Wandel in der Branche erhöht auch das Risiko für Sicherheitslücken, die gefährlich für Hersteller, Lieferanten und Kunden sein können. Cyberkriminelle nutzen Schwachstellen entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette aus. Laut der Studie von VicOne, dem auf Automotive Cybersecurity spezialisierten Tochterunternehmen von Trend Micro, sind Zulieferer am häufigsten betroffen: Sie waren in 67 Prozent der untersuchten Vorfälle involviert.

Gerade kleinere Lieferanten sind oft schlechter vor Cyberangriffen geschützt und brauchen länger, um sich wieder zu erholen. Das führt zu Produktionsverzögerungen bis hin zu Ausfällen. Das größte Risiko sind derzeit Ransomware-Attacken. Im Studienzeitraum waren 43 Unternehmen aus der Automobilindustrie Opfer solcher Angriffe. Am häufigsten kam dabei Malware aus der Conti-Familie zum Einsatz. Außerdem gab es neun Daten-Vorfälle. Vor allem Kundeninformationen (41,7 Prozent) und sensible Unternehmensinformationen (16,7 Prozent) wurden gestohlen.

Drei Hochrisiko-Bereiche

Im Zusammenhang mit vernetzten Fahrzeugen hat Trend Micro zudem drei Hochrisiko-Bereiche identifiziert, die besonders anfällig für Cyberangriffe sind. Hersteller sollten diese auf der Agenda haben:

Ladestationen für E-Autos

Ladestationen und Batteriemanagementsysteme können leicht zum Ziel von Hackern werden. Elektroautos verwenden in der Regel Lithium-Polymer-Akkus und benötigen umfassende intelligente Kontrollmechanismen, um gut zu funktionieren. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Auto verfügt ein Elektrofahrzeug über mehr Sensoren und nutzt mehr Kommunikationsprotokolle. Insbesondere beim Datenaustausch mit der Ladestation können Sicherheitslücken entstehen.

Cloud APIs (Application Programming Interfaces)

Die meisten Autos haben heute integrierte SIMs (eSIMS), über die sie mit einem Backend-Cloud-Server kommunizieren. Das ermöglicht zum Beispiel Applikationen, um das Fahrzeug aus der Ferne zu ver- und entriegeln oder Verkehrsdaten mit anderen Teilnehmern auszutauschen. Eine Cloud API ist wichtiger Bestandteil der Netzwerkarchitektur und muss gut abgesichert werden. In der Automobilindustrie kommen fahrzeugspezifische Cloud APIs zum Einsatz, die Schwachstellen haben können.

Schlüssellose Zugangssysteme (Remote Keyless Entry, RKE)

RKE ermöglicht es, ein Auto aufzuschließen und den Motor zu starten, ohne dass man einen physikalischen Schlüssel ins Schloss stecken muss. Dabei kommt meist ein Funkfrequenzsignal (RF) zum Einsatz. Es gibt zahlreiche Schwachstellen in solchen RKE-Systemen, die Angreifer leicht ausnutzen können, um das Fahrzeug zu stehlen. Obwohl diese Sicherheitslücken seit Langem bekannt sind, wurden sie noch nicht vollständig geschlossen.

Security-Prognosen 2023

Zusätzlich zu den drei Hochrisiko-Bereichen nennt die Studie mehrere Sicherheitstrends, die Security-Verantwortliche der Automobilindustrie im Jahr 2023 besonders beachten sollten:

  • Ransomware wird die Supply Chain der Automobilindustrie weiterhin beeinträchtigen.
  • Schwachstellen in Open-Source-Software-Komponenten, die in der Fahrzeugentwicklung zum Einsatz kommen, sind ein wachsendes Risiko.
  • Funksignal-Angriffe wie Replay, Relay, Jamming und Man-in-the-Middle nehmen zu.
  • Infotainment- und Telematiksteuerungssysteme (IVI/TCU) im Fahrzeug werden mit Malware infiziert.
  • Da das Design auf Chipebene oft unsicher ist, werden Schwachstellen und Angriffe zunehmen.
  • Cyberkriminelle werden OTA-Datenübertragung (Over the Air) ausnutzen, um den Datenfluss zu kompromittieren oder bösartigen Code in Software-Updates einzuschleusen.
  • Angreifer können die digitalen Schlösser umgehen, mit denen Hersteller die Fahrzeuge ausstatten.

„2022 haben wir in der Automobilbranche zahlreiche Cyberangriffe beobachtet – sowohl auf die Lieferkette als auch auf vernetzte Fahrzeuge“, sagt Udo Schneider, IoT Security Evangelist Europe bei Trend Micro. „2023 wird das Risiko für Cybervorfälle weiter zunehmen, denn Hacker finden hier eine wachsende Angriffsfläche und attraktive Ziele. Viele der Gefahren lassen sich abwenden, indem man Techniken und Security Best Practices berücksichtigt, die sich in anderen Bereichen bereits bewährt haben.“

Mehr bei TrendMicro.com

 


Über Trend Micro

Als einer der weltweit führenden Anbieter von IT-Sicherheit hilft Trend Micro dabei, eine sichere Welt für den digitalen Datenaustausch zu schaffen. Mit über 30 Jahren Sicherheitsexpertise, globaler Bedrohungsforschung und beständigen Innovationen bietet Trend Micro Schutz für Unternehmen, Behörden und Privatanwender. Dank unserer XGen™ Sicherheitsstrategie profitieren unsere Lösungen von einer generationsübergreifenden Kombination von Abwehrtechniken, die für führende Umgebungen optimiert ist. Vernetzte Bedrohungsinformationen ermöglichen dabei besseren und schnelleren Schutz. Unsere vernetzten Lösungen sind für Cloud-Workloads, Endpunkte, E-Mail, das IIoT und Netzwerke optimiert und bieten zentrale Sichtbarkeit über das gesamte Unternehmen, um Bedrohung schneller erkennen und darauf reagieren zu können..


 

Passende Artikel zum Thema

Auswirkungen von NIS2 auf Cybersecurity im Gesundheitswesen

Die Überarbeitung der EU-Richtlinie zur Erhöhung der Cybersicherheit für kritische Infrastrukturen (NIS2) hat das Thema Cybersecurity in vielen Gesundheitseinrichtungen noch ➡ Weiterlesen

Cyberattacken via API

Im ersten Monat des Jahres 2024 hat die Häufigkeit von API-Angriffen zugenommen und betrifft durchschnittlich 1 von 4,6 Unternehmen pro ➡ Weiterlesen

Die unterschätzte Bedrohung BEC

Business E-Mail Compromise (BEC) ist eine Art von Phishing-Betrug per E-Mail, bei dem ein Angreifer versucht, Mitglieder einer Organisation dazu ➡ Weiterlesen

Security Operations Platform mit Threat Center und Copilot

Die Security Operations Platform von Exabeam bekommt zwei neue wichtige Cybersecurity-Funktionen: Threat Center und Copilot. Die Lösung vereint Bedrohungsmanagement, Untersuchungstools ➡ Weiterlesen

Warum Cyberkriminelle extra auf Backups zielen

Es gibt im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, verschlüsselte Daten nach einem Ransomware-Angriff wiederherzustellen: die Wiederherstellung aus Backups und die Zahlung des ➡ Weiterlesen

IT-Security: Arbeitsplätze sind Monate lange unbesetzt  

Fachkräftemangel als Cybersicherheitsschwachstelle? Laut einer Studie von Kaspersky benötigt die Hälfte (49 Prozent) der befragten Unternehmen in Europa über ein ➡ Weiterlesen

KRITIS: OT- und IoT-Netzwerkanomalien sind allgegenwärtig 

Ein neuer Report zeigt: Netzwerkanomalien und Angriffe sind die häufigsten Bedrohungen für OT- und IoT-Umgebungen besonders im Bereich kritische Infrastrukturen. ➡ Weiterlesen

Report: Mehr E-Mail-Server-Angriffe und Evasive Malware

WatchGuard Internet Security Report dokumentiert einen dramatischen Anstieg der sogenannten „Evasive Malware“, was zu einer deutlichen Erhöhung des Malware-Gesamtvolumens beiträgt. ➡ Weiterlesen