Sicherheitsforscher von a.security haben eine kritische Schwachstelle in Zoom entdeckt. Ein Teilnehmer einer laufenden Videokonferenz kann darüber unter bestimmten Voraussetzungen Schadcode auf den Geräten anderer Teilnehmer ausführen – ohne dass diese klicken, eine Datei öffnen oder einen Download starten müssen.
Die Schwachstelle trägt die Kennung CVE-2026-53413. Das National Vulnerability Database (NVD) beschreibt sie als Fehler bei der Verarbeitung von Inhalten der Zoom-Annotationsfunktion, der einen Speicherüberlauf und dadurch möglicherweise die Ausführung von Code auf dem Gerät eines anderen Sitzungsteilnehmers ermöglicht. Eine offizielle CVSS-Bewertung durch NIST liegt derzeit noch nicht vor. Betroffen waren Zoom-Clients für Windows, macOS, iOS, Android und Linux bis einschließlich Version 7.0.5.
Angriff über eine laufende Besprechung
Für den Angriff reicht nach Angaben von a.security die Teilnahme an einer Zoom-Sitzung. Ein Angreifer muss kein Administrator des Kontos sein und benötigt keine direkte Kontrolle über das Gerät des Opfers. Auch eine sichtbare Aktion des Betroffenen ist nicht erforderlich. Ein Teilnehmer kann andere Teilnehmer gezielt ansprechen; in größeren Besprechungen entsteht damit eine breite Angriffsfläche.
Die Schwachstelle steckt in der Annotationsfunktion. Teilnehmer können damit auf geteilten Bildschirmen oder Whiteboards zeichnen, Texte einfügen und Markierungen setzen. Zoom-Clients verarbeiten die dabei übertragenen Daten automatisch. Eine speziell manipulierte Nachricht kann den Client zum Absturz bringen und anschließend die Ausführung eigenen Codes ermöglichen.
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Nach einer erfolgreichen Kompromittierung könnten Angreifer Daten stehlen, weitere Schadsoftware installieren oder – abhängig von den Betriebssystemberechtigungen – auf Mikrofon, Kamera und Bildschirm zugreifen. Für Unternehmen ist besonders relevant, dass die Attacke während einer regulären Besprechung erfolgen kann und kein klassischer Download erforderlich ist.
Kaspersky: Kollaborationstools im Visier
Die Zoom-Lücke fällt in eine allgemeine Entwicklung: Cyberkriminelle missbrauchen bekannte Arbeits- und Kollaborationstools zunehmend als Tarnung für Angriffe. Eine aktuelle Analyse von Kaspersky registrierte in den vergangenen zwölf Monaten weltweit 4.781.846 Angriffsversuche, bei denen schädliche Inhalte als Zoom, Outlook, OneDrive, Microsoft Excel oder Microsoft Teams getarnt waren.
Am häufigsten wurde Zoom genannt. Kaspersky zählte 2.658.283 Angriffsversuche mit Bezug zu Zoom. Dahinter folgten Outlook mit 1.546.122, OneDrive mit 197.030, Microsoft Excel mit 151.948 und Microsoft Teams mit 111.402 Fällen. Zu den erkannten Bedrohungen gehörten 2.733.204 Downloader, 989.377 Trojaner und 341.165 Exploit-Versuche.
Zoom stellt Updates bereit
a.security meldete die Schwachstelle im Juni 2026 an Zoom. Nach Angaben der Forscher reagierte der Anbieter schnell und veröffentlichte Client- sowie serverseitige Schutzmaßnahmen. Die Schwachstelle wurde gemeinsam mit CVE-2026-53414 behoben. Eine weitere Schwachstelle, CVE-2026-53415, betrifft ebenfalls die Annotationsfunktion und wurde mit einer späteren Client-Version geschlossen.
Unternehmen sollten Zoom Workplace auf mindestens Version 7.1.5 oder 7.0.6 aktualisieren – abhängig vom eingesetzten Versionszweig. Für VDI-Clients, Zoom Rooms und das Zoom Meeting SDK gelten eigene Mindestversionen. Die genauen Vorgaben sollten daher in der zentralen Softwareinventur geprüft werden.
Bis alle Clients aktualisiert sind, empfiehlt a.Security, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Besprechungen vorübergehend zu deaktivieren. Zoom kann schädliche Nachrichten dann serverseitig filtern. Bei E2EE-Meetings ist diese Prüfung nicht möglich, weil der Server die verschlüsselten Inhalte nicht einsehen kann.
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