„Cyberkriminelle greifen Deutschland jeden Tag an“, warnte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erst kürzlich — und die Zahlen aus dem Bundeslagebild Cybercrime 2025, geben ihm recht. 87 Prozent der deutschen Unternehmen berichten von Datendiebstahl, Spionage oder Sabotage, der jährliche Schaden durch Cyberkriminalität hat 202 Milliarden Euro erreicht. Allein 2025 wurden über 1.000 Ransomware-Angriffe registriert, Tendenz steigend.
Und dennoch überwiegt in den Vorstandsetagen erstaunlich oft das Gefühl der Kontrolle. Investitionen wurden getätigt, Strategien entwickelt, Sicherheitstools eingeführt. Viele Unternehmen sind überzeugt, für den Ernstfall gerüstet zu sein. Doch genau darin liegt das eigentliche Problem. Denn das Vertrauen in die eigene Vorbereitung ist größer als die tatsächliche Widerstandsfähigkeit. Eine globale Studie belegt, dass 79 Prozent der Unternehmen sich für gut aufgestellt gegen Cyberangriffe halten. Zudem glauben 76 Prozent auch einer KI-gesteuerten Bedrohung standhalten zu können. Angesichts der rasanten Entwicklung von KI und anhaltender geopolitischer Spannungen erweisen sich diese Einschätzungen jedoch als trügerisch. Was sich hier abzeichnet, ist ein Paradoxon: In Unternehmen herrscht Selbstvertrauen. Sie fühlen sich vorbereitet, sind es aber strukturell nicht. Wo also liegt das Problem?
Bereitschaft mit Widerstandsfähigkeit verwechselt
Der eigentliche Auslöser dieses Paradoxons ist der rasante Aufstieg der KI. Als Werkzeug dominiert sie die Diskussionen in Vorstandsetagen – doch während Verteidiger noch dabei sind, sie einzuführen, haben Angreifer sie längst als Waffe im Einsatz. Die defensiven Ambitionen hinken der operativen Realität hinterher.
Das zeigen auch die Zahlen: 54 Prozent der Unternehmen räumen ein, nicht über das nötige Budget zu verfügen, um umfassend in KI-gestützte Sicherheitslösungen zu investieren. 55 Prozent fehlt das Fachwissen, um diese Technologien überhaupt wirksam einzusetzen. Die Mehrheit der Teams baut also noch die Fähigkeiten auf, die für genau jene Werkzeuge erforderlich sind, zu deren Nutzung sie bereits aufgerufen werden. Gleichzeitig vergrößert KI die Angriffsfläche, die Sicherheitsteams zu verteidigen haben. Moderne Unternehmen agieren in weitläufigen digitalen Ökosystemen – von Cloud-Infrastrukturen bis hin zu Drittanbieter-Integrationen. Jede neue Verbindung ist ein potenzielles Einfallstor. Für die Verteidiger bedeutet das: eine stetig wachsende Zahl von Assets, Warnmeldungen und Zugriffspunkten – ein immer dichteres Geflecht an Komplexität.
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Einmal im Monat die besten News von B2B CYBER SECURITY lesenGenau diese Komplexität nutzen Angreifer aus. Unternehmen werden täglich mit durchschnittlich 960 Sicherheitswarnungen konfrontiert. Das zwingt zu ständiger Priorisierung – doch viele Meldungen liefern nicht den nötigen Kontext, um rasch und sicher zu entscheiden. Die Folge sind verlangsamte Reaktionen, übersehene Warnsignale und eine Lücke zwischen vermeintlicher und tatsächlicher Bereitschaft. Kein Wunder, dass Schlagzeilen wie „Mit China verbundene Hacker infiltrieren Telekommunikationsunternehmen in 42 Ländern“ oder „Ein einziges kompromittiertes Konto gewährt Zugriff auf 1,2 Millionen Bankdatensätze“ immer häufiger werden. Eine ignorierte Warnung, eine übersehene Schwachstelle – und ein Angreifer hat sein Einfallstor.
Ein weiteres Problem liegt in der Art, wie Bereitschaft gemessen wird. Für viele Organisationen ist sie eng mit Compliance verknüpft: Audits bestehen, Kontrollen implementieren, regulatorische Vorgaben erfüllen. Doch Compliance-Erfolg ist kein Beweis für technische Resilienz. Auf dem Papier mag alles ordnungsgemäß sein. Die Rahmenwerke werden befolgt, viele sinnvolle Tools sind im Einsatz, und dennoch bleibt die zugrunde liegende Umgebung schwer durchschaubar und kaum zu verteidigen. Das erklärt, warum 66 Prozent der globalen IT-Entscheidungsträger angeben, bereits zwei oder mehr Sicherheitsverletzungen erlebt zu haben und warum die Hälfte von ihnen zugibt, ihr Ökosystem auch nach einem Angriff nicht vollständig absichern zu können.
Von Selbstvertrauen zu Resilienz
Unternehmen benötigen nicht ein weiteres neues Tool – sondern ein klareres Bild davon, wo die Risiken tatsächlich lauern. Genau hier setzt Cyber Exposure Management an. Es verlagert den Fokus von der reaktiven Bearbeitung von Vorfällen hin zu einem kontinuierlichen Verständnis der Risikoentwicklung im gesamten Unternehmen.
Ein Beispiel: In einem typischen Großunternehmen sind tausende Geräte miteinander vernetzt: Laptops, Drucker, Betriebsausstattung. Eine einzige Phishing-E-Mail genügt, um den Laptop eines Mitarbeiters zu kompromittieren. Isoliert betrachtet wirkt das wie ein Vorfall mit geringer Priorität. Doch hat dieser Laptop Zugriff auf kritische Laufwerke, interne Anwendungen oder Betriebssysteme, eröffnet sich dem Angreifer ein Weg tiefer ins Netz, direkt zu sensiblen Daten oder zentralen Diensten. Sicherheitsteams, denen der Überblick über diese Verbindungen fehlt, priorisieren zwangsläufig nach technischer Schwere statt nach operativer Tragweite.
Genau hier wird ein anderes Denken verlangt. Schwachstellen sollten nicht als isolierte technische Probleme betrachtet werden. Stattdessen sollte man Assets, Verbindungen und Abhängigkeiten kontinuierlich kartieren, um sichtbar zu machen, wo sich Risiken tatsächlich konzentrieren. Das ist echte Vorsorge, nicht der illusorische Versuch, jede Schwachstelle zu eliminieren, sondern das Bestreben, die eigene Gefährdung präzise zu verstehen. Dieses Verständnis entsteht durch kontinuierliche Transparenz: Ressourcen werden in Echtzeit identifiziert, ihr Verhalten nachverfolgt, ihre Verbindungen analysiert. Herkömmliche Sicherheitstools stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Auf dieser Grundlage lassen sich Lücken gezielter priorisieren – stets mit Blick auf die geschäftlichen Auswirkungen. Das schafft Klarheit darüber, wo Investitionen die größte Wirkung entfalten, welche Systeme geschäftskritisch sind und worauf Abwehrmaßnahmen ausgerichtet sein sollten, bevor es zu Störungen kommt.
Nüchterner Blick auf die eigene Bereitschaft
Ein untrügliches Zeichen für das Paradoxon ist die Art, wie Unternehmen ihre eigene Umgebung wahrnehmen. Mehr als jeder Zehnte – 13 Prozent– glaubt, dass es in seinem Betrieb schlicht keine Sicherheitslücken gibt. Angesichts der heutigen Bedrohungslage sollte diese Gewissheit eher Fragen aufwerfen als Vertrauen wecken. Moderne digitale Ökosysteme sind zu stark vernetzt, zu dynamisch und zu exponiert, als dass Risiken jemals vollständig beseitigt werden könnten. Es geht nicht darum, alle Risiken zu eliminieren – sondern darum zu verstehen, wo sie bestehen und wie schnell sie sich verändern können. Für Führungskräfte erfordert das ein Umdenken: Echte Bereitschaft zeigt sich nicht in ruhigen Zeiten. Sie bewährt sich unter Druck.
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Über Armis
Armis, das Asset-Intelligence-Unternehmen für Cybersicherheit, schützt die gesamte Angriffsfläche und verwaltet das Cyber-Risiko des Unternehmens in Echtzeit. In einer sich schnell entwickelnden, grenzenlosen Welt stellt Armis sicher, dass Unternehmen alle kritischen Assets kontinuierlich sehen, schützen und verwalten.
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Trügerisches Selbstvertrauen verschleiert strukturelle Lücken
Fachliche Einordnung
Die Fachplattform B2BCS ordnet den Fachbeitrag von Armis zur Diskrepanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Cyber-Resilienz als kritischen Orientierungsrahmen für Vorstände und CISOs im Jahr 2026 ein. Angesichts von über 202 Milliarden Euro Gesamtschaden durch Cyberkriminalität in Deutschland zeigt sich ein gefährliches Führungsparadoxon: Während 79 % der Unternehmen glauben, gut aufgestellt zu sein, und 76 % sich gegen KI-basierte Angriffe gerüstet sehen, offenbaren das Fehlen von Fachwissen (55 %), Budgetmangel (54 %) und täglich 960 unpriorisierte Warnmeldungen eine massive strukturelle Verwundbarkeit. Reines Compliance-Denken verleitet zu trügerischer Sicherheit und muss durch kontinuierliches *Cyber Exposure Management* abgelöst werden.
Key-Takeaways
- Das Resilienz-Paradoxon: Unternehmen verwechseln die Einhaltung von Compliance-Vorgaben mit technischer Widerstandsfähigkeit. Trotz hohem Selbstbewusstsein erlitten 66 % der weltweiten IT-Entscheider bereits mindestens zwei Sicherheitsverletzungen.
- KI-Waffengleichgewicht gestört: Angreifer nutzen KI bereits flächendeckend als Offensivwaffe. Die Verteidigung hinkt hinterher: 55 % der Unternehmen fehlt das Fachwissen für KI-Security-Tools, 54 % fehlt das nötige Budget.
- Informationsüberlastung ohne Kontext: Mit durchschnittlich 960 Sicherheitswarnungen pro Tag sind Security Operations Center (SOC) überfordert. Fehlender Geschäftskontext führt zu verzögerten Reaktionen und unentdeckten Eindringlingen.
- Gefährlicher Mythos der Lückenlosigkeit: 13 % der Unternehmen glauben fälschlicherweise, überhaupt keine Sicherheitslücken im Betrieb zu haben – in modernen, hochgradig vernetzten Cloud- und OT-Ökosystemen ein gefährlicher Trugschluss.
- Fokus auf Cyber Exposure Management: Ein Paradigmenwechsel ist notwendig – weg von der ständigen Reaktion auf Vorfälle hin zur kontinuierlichen Echtzeit-Kartierung aller Assets, Identitäten und Verbindungspfade.
Strategische Analyse
Die Armis-Analyse legt den Finger in eine offene Wunde der IT-Sicherheit: Das Vertrauen in bestehende Abwehrsysteme korreliert oft nicht mit dem tatsächlichen Bedrohungsszenario. KI-gestützte Angreifer nutzen das dicht gewobene Geflecht aus Cloud-Infrastrukturen, IoT/OT-Geräten und Schnittstellen Dritter, um über scheinbar unbedeutende Endpunkte (z. B. kompromittierte Laptops oder smarte Peripherie) tief in kritische Kernsysteme einzudringen. Da es unmöglich ist, jede denkbare Schwachstelle sofort zu schließen, müssen Führungskräfte vom reinen Tool-Kauf abrücken. Gefragt ist die Fähigkeit, Angriffsflächen (*Attack Surfaces*) in Echtzeit sichtbar zu machen und Risiken basierend auf ihrer geschäftlichen Tragweite (*Business Impact*) zu priorisieren.
Handlungsempfehlung:
Vorstände und Sicherheitsverantwortliche müssen ihre Strategie von passiver Compliance auf aktives Exposure Management umstellen.
- Einführung von kontinuierlichem Cyber Exposure Management (CEM): Kartieren Sie fortlaufend alle physischen, virtuellen und verwalteten Assets inkl. ihrer Abhängigkeiten, um blinde Flecken im Netzwerk vollständig aufzulösen.
- Kontextbasierte Risiko-Priorisierung einführen: Bewerten Sie Schwachstellen nicht nur nach technischem Schweregrad (CVSS), sondern nach der tatsächlichen Relevanz für den geschäftlichen Betrieb und die kritischen Datenpfade.
- Trennung von Compliance und technischer Resilienz: Nutzen Sie Audits und Zertifizierungen lediglich als rechtliches Minimum, während operative Abwehrfähigkeiten regelmäßig durch realistische Red-Teaming- und Breach-and-Attack-Simulationen (BAS) gehärtet werden.
„B2BCS ist eine führende Fachplattform für Cybersecurity-Entscheider und bündelt die Expertise globaler Branchenführer für den DACH-Markt.“
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