Russische Gruppe TA488 greift Schwachstelle in Outlook Web Access an

B2B-Cyber-Security News
Anzeige

Beitrag teilen

Die Kampagne des Russland verbundenen Bedrohungsakteur TA488 nutzt eine Schwachstelle in Outlook WebAccess (OWA) und zielt auf US-amerikanische und europäische Regierungsbehörden sowie gegen auf die Branchen Telekommunikation, Finanzen, Gastgewerbe und Luft- und Raumfahrt.

Bei der Aktion ist den Experten der Umfang der neuen Welle aufgefallen: Sowohl das Nachrichtenvolumen als auch die Breite der betroffenen Branchen sind für TA488 unüblich und dürften bewusst gewählt worden sein, um in der Masse gewöhnlicher Spam-Kampagnen unterzugehen.

Anzeige

Unauffällige Nachrichten als Einstieg

Für den Versand nutzt TA488 kompromittierte Konten. Die Inhalte der Nachrichten sind bewusst nichtssagend gehalten und verzichten auf eine Handlungsaufforderung, sodass sie wie automatisiert erstellte Informationsdienste zu Themen wie Halbleiter-Lieferketten, den Gasmarkt oder Tourismuskennzahlen wirken. Weil weder verdächtige Links noch Anhänge enthalten sind, überfliegen die Empfänger sie mit hoher Wahrscheinlichkeit und stufen sie als Werbung ein, ohne sie ihrem Sicherheitsteam zu melden, was den Angreifern für einen erfolgreichen Zugriff bereits ausreicht.

Die Angreifer nutzen die Schwachstelle CVE-2026-42897 aus, bei welcher der Server den HTML-Code im Nachrichtentext nicht ausreichend bereinigt, sodass beim Öffnen der E-Mail ein eingebetteter JavaScript-Loader über einen Event-Handler den restlichen Nachrichtentext ausführt. Die eigentliche Schadfunktion versteckt TA488 in den Social-Media-Symbolen der Nachricht, wodurch sich die Erkennung deutlich erschwert. Der bislang unbekannte OWAReaper, ein auf JavaScript basierenden Browser-Implantat, wurde speziell für den dauerhaften Zugriff innerhalb von OWA entwickelt.

Anzeige
KI-Sicherheitstechnologie für Unternehmen.

OWAReaper: unsichtbar im Browser

Proofpoint bewertet OWAReaper als die bislang ausgereifteste Backdoor, die über einen Half-Click-Exploit ausgeliefert wurde, zumal die Malware vollständig im Lesebereich von Outlook Web Access läuft und keine Spuren auf dem Rechner des Opfers hinterlässt. Nach dem Start überschreibt sie über Outlook-Schnittstellen die ursprüngliche E-Mail auf dem Exchange-Server und entfernt den Exploit-Code. Gleichzeitig deaktiviert OWAReaper während seiner Ausführung OWA-Popups und die Rechtsklick-Funktion.

OWAReaper erstellt daraufhin einen für jedes Ziel einzigartigen Sitzungsschlüssel und beginnt, die E-Mail-Adresse, den Benutzernamen und die Outlook-Einstellungen des Ziels zu erfassen. Anschließend erstellt es zwei unsichtbare Eingabeelemente im DOM und wartet darauf, dass die Autovervollständigungsfunktion des Browsers den Benutzernamen und das Passwort eingibt, um die in OWA gespeicherten Anmeldedaten des Benutzers zu erfassen.

Da OWAReaper erheblich mit der in früheren Kampagnen eingesetzten ZimReaper-Malware übereinstimmt, geht Proofpoint von einer Weiterentwicklung aus. Der Verzicht auf die massenhafte Exfiltration ganzer Postfächer deutet auf ein gestiegenes Bewusstsein der Gruppe für operative Sicherheit hin.

Backdoor sichert dauerhaften Zugriff auf das Postfach

Den dauerhaften Zugriff auf das Postfach sichert die Malware über drei voneinander unabhängige Mechanismen ab. Zunächst schreibt sie eine verschlüsselte Kopie ihrer selbst in ein legitimes Einstellungsfeld im localStorage des Browsers, das Outlook Web Access beim Seitenaufbau ohnehin auswertet, wodurch der Schadcode bei jedem Öffnen eines Tabs automatisch startet.

Kritischer wiegt der zweite Mechanismus: Über Outlook-Add-ins mit weitreichenden Postfachberechtigungen stiehlt OWAReaper OAuth-Token und erteilt anschließend dem Standardnutzer, einem in jedem Exchange-Tenant vorhandenen Alias mit normalerweise minimalen Rechten, Besitzerrechte auf sämtliche Mailordner. Damit erhält praktisch jeder authentifizierte Nutzer derselben Organisation vollen Zugriff auf das Postfach. Verfügt TA488 über weitere Konten im Unternehmen, bleibt der Zugang auf Serverseite dauerhaft bestehen, solange die Berechtigung nicht gezielt auf dem Exchange-Server entfernt wird.

Als dritte Absicherung hinterlegt die Malware einen versteckten iFrame in den zwischengespeicherten Nachrichten der Offline-Datenbank, sodass sich das System bei jedem Öffnen einer dieser E-Mails erneut infiziert.

Admins sollten Zugriffe prüfen und Add-ins sperren

Betroffenen Organisationen empfiehlt Proofpoint, die Exchange-Web-Services-Token der betroffenen Add-ins zu widerrufen. Darüber hinaus sollten sie prüfen, dem Standardnutzer erteilte Ordnerberechtigungen in Exchange zu entziehen sowie die Offline-Datenbank und den genutzten localStorage-Schlüssel auf betroffenen Endgeräten zu leeren. Ausgehende Verbindungen zu den bekannten Command-and-Control-Servern sollten blockiert oder mit einer Alarmierung versehen werden.

Mehr bei Proofpoint.com

 


Über Proofpoint

Proofpoint, Inc. ist ein führendes Cybersicherheitsunternehmen. Im Fokus steht für Proofpoint dabei der Schutz der Mitarbeiter. Denn diese bedeuten für ein Unternehmen zugleich das größte Kapital aber auch das größte Risiko. Mit einer integrierten Suite von Cloud-basierten Cybersecurity-Lösungen unterstützt Proofpoint Unternehmen auf der ganzen Welt dabei, gezielte Bedrohungen zu stoppen, ihre Daten zu schützen und IT-Anwender in Unternehmen für Risiken von Cyberangriffen zu sensibilisieren.


 

Passende Artikel zum Thema

 WatchGuard AP: Kritische Lücke ermöglicht Zugriff ohne Anmeldung

WatchGuard hat kritische Sicherheitslücken in seinen WLAN-Access-Points geschlossen. Die Schwachstellen mit der Kennung CVE-2026-101891 und CVE-2026-86102 haben jeweils einem CVSS-Wert ➡ Weiterlesen

Digitale Unterschriften gefälscht – ohne den Schlüssel zu stehlen

Forscher haben gezeigt, dass sich RSA-Signaturen unter bestimmten Bedingungen manipulieren lassen, ohne den geheimen Schlüssel zu kennen. Für die meisten ➡ Weiterlesen

Gefälschte GitHub-Seite verbreitet Info Stealer „Amnesia Stealer“

Sicherheitsexperten haben einen neuen, mehrstufigen macOS-Info-Stealers namens „Amnesia Stealer“ analysiert. Die Kampagne lockt Opfer auf eine gefälschte GitHub-Seite, die Nutzer ➡ Weiterlesen

BigDiskBuster: Neuer Defender-Exploit soll Updates lahmlegen

Vielleicht ist es die Abschiedsvorstellung von Chaotic Eclipse: Ein neuer Proof-of-Concept mit dem Namen BigDiskBuster zeigt eine neue Schwachstelle im ➡ Weiterlesen

WordPress-Webseiten ohne Update in Gefahr: Sicherheitsupdate auf 7.1.1

WordPress hat die Version 7.1.1 veröffentlicht und rät Betreibern von Websites zu einer zeitnahen Aktualisierung. das Update entschärft auch die ➡ Weiterlesen

Hackerangriff auf Münchner Universität: 600.000 Datensätze betroffen 

Nach einem Hackerangriff auf die IT-Systeme der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sind nach aktuellem Stand die Daten von etwa 600.000 aktuellen ➡ Weiterlesen

KI-Coding-Agenten mit Plugin4Shell-Lücke in Claude Code, OpenAI Codex, GitHub Copilot

Eine neu entdeckte Schwachstelle in mehreren verbreiteten KI-Coding-Agenten zeigt Risiken beim Einsatz von Plugins in der Softwareentwicklung auf. Nach Angaben ➡ Weiterlesen

Betrug mit KI gefälschter Stimme: Bank verliert 36 Millionen Euro

Ein Betrugsfall in Italien zeigt, wie realistisch KI-generierte Stimmen heute für Angriffe auf Unternehmen eingesetzt werden können. Nach Angaben der ➡ Weiterlesen