Polen: 18,8 Millionen Datensätze von Medizindienstleister entwendet

B2B-Cyber-Security News
Anzeige

Beitrag teilen

Ein Sicherheitsvorfall beim polnischen Medizindienstleister MyDr könnte zu einem der größten Datenabflüsse in der Geschichte des Landes geführt haben. Nach Angaben des polnischen Ministeriums für Digitalisierung wurden Daten von möglicherweise 18,8 Millionen Menschen sowie von mehr als 12.000 medizinischen Einrichtungen entwendet.

Das polnische Ministerium für Digitalisierung informierte am 12. August 2026 über den Vorfall. Demnach bestätigte MyDr den unbefugten Zugriff auf Daten aus den eigenen Systemen. Betroffen sind wohl Informationen, die bis April 2024 zurückreichen. Die Datenmenge soll mehr als zwei Terabyte umfassen. Welche einzelnen Datensätze tatsächlich abgerufen wurden und welchen Personen sie zugeordnet werden können, war zum Zeitpunkt der ersten Behördenangaben noch Gegenstand der Untersuchung.

Anzeige

Bis zu 18,8 Millionen Datensätze gestohlen

Zu den potenziell betroffenen Informationen gehören unter anderem medizinische Angaben, Daten zu Medikamenten und Verschreibungen sowie personenbezogene Informationen. Nach Einschätzung der Behörden können verschiedene Datenbestandteile miteinander verknüpft werden. Dadurch entsteht ein erhebliches Risiko für Identitätsbetrug, gezielte Phishing-Angriffe und Erpressungsversuche.

Das polnische Gesundheitsministerium stellte klar, dass der Vorfall ausschließlich Daten in den Systemen von MyDr betrifft. Die zentralen staatlichen E-Health-Dienste wurden nach bisherigen Erkenntnissen nicht kompromittiert. Die laufende medizinische Versorgung sei daher nicht beeinträchtigt: Patienten können weiterhin Gesundheitsleistungen nutzen und Rezepte erhalten.

Anzeige
KI-Sicherheitstechnologie für Unternehmen.

Zentrales polnische Gesundheitssysteme nicht betroffen

Die Untersuchung und Reaktion der Behörden wird vom Polnischen Joint Cybersecurity Operations Centre koordiniert. Beteiligt sind unter anderem staatliche Cybersecurity-Stellen, Gesundheitsbehörden und Strafverfolgungsbehörden. Die Staatsanwaltschaft in Warschau leitete am 12. August ein Ermittlungsverfahren wegen des unrechtmäßigen Zugriffs und der Verarbeitung sensibler Daten ein.

Nach Angaben der polnischen Behörden waren die gestohlenen Daten zunächst nicht öffentlich im Internet oder im Darknet aufgetaucht. Die Ermittler prüfen weiterhin, wie der Zugriff erfolgte, welche Daten konkret betroffen sind und wer hinter dem Vorfall steht. Eine ausländische staatliche Beteiligung wurde zunächst nicht festgestellt.

Das Ministerium kündigte an, betroffene Personen nach Abschluss der Identifizierung über ein staatliches Portal zu informieren. Dort sollen Bürger prüfen können, ob ihre Daten zu den betroffenen Informationen gehören. Die polnische Datenschutzbehörde UODO erinnert die medizinischen Einrichtungen zudem daran, ihre eigene Melde- und Informationspflicht nach der Datenschutz-Grundverordnung zu prüfen.

Mehr bei gov.pl

 

Passende Artikel zum Thema

 WatchGuard AP: Kritische Lücke ermöglicht Zugriff ohne Anmeldung

WatchGuard hat kritische Sicherheitslücken in seinen WLAN-Access-Points geschlossen. Die Schwachstellen mit der Kennung CVE-2026-101891 und CVE-2026-86102 haben jeweils einem CVSS-Wert ➡ Weiterlesen

Digitale Unterschriften gefälscht – ohne den Schlüssel zu stehlen

Forscher haben gezeigt, dass sich RSA-Signaturen unter bestimmten Bedingungen manipulieren lassen, ohne den geheimen Schlüssel zu kennen. Für die meisten ➡ Weiterlesen

Gefälschte GitHub-Seite verbreitet Info Stealer „Amnesia Stealer“

Sicherheitsexperten haben einen neuen, mehrstufigen macOS-Info-Stealers namens „Amnesia Stealer“ analysiert. Die Kampagne lockt Opfer auf eine gefälschte GitHub-Seite, die Nutzer ➡ Weiterlesen

BigDiskBuster: Neuer Defender-Exploit soll Updates lahmlegen

Vielleicht ist es die Abschiedsvorstellung von Chaotic Eclipse: Ein neuer Proof-of-Concept mit dem Namen BigDiskBuster zeigt eine neue Schwachstelle im ➡ Weiterlesen

WordPress-Webseiten ohne Update in Gefahr: Sicherheitsupdate auf 7.1.1

WordPress hat die Version 7.1.1 veröffentlicht und rät Betreibern von Websites zu einer zeitnahen Aktualisierung. das Update entschärft auch die ➡ Weiterlesen

Hackerangriff auf Münchner Universität: 600.000 Datensätze betroffen 

Nach einem Hackerangriff auf die IT-Systeme der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sind nach aktuellem Stand die Daten von etwa 600.000 aktuellen ➡ Weiterlesen

KI-Coding-Agenten mit Plugin4Shell-Lücke in Claude Code, OpenAI Codex, GitHub Copilot

Eine neu entdeckte Schwachstelle in mehreren verbreiteten KI-Coding-Agenten zeigt Risiken beim Einsatz von Plugins in der Softwareentwicklung auf. Nach Angaben ➡ Weiterlesen

Betrug mit KI gefälschter Stimme: Bank verliert 36 Millionen Euro

Ein Betrugsfall in Italien zeigt, wie realistisch KI-generierte Stimmen heute für Angriffe auf Unternehmen eingesetzt werden können. Nach Angaben der ➡ Weiterlesen