Iran-nahe Hacker sollen im Juli einen kleinen britischen Stromerzeuger durch einen Cyberangriff für vier Tage außer Betrieb gesetzt haben. Der Vorfall gilt laut britischen Medien als möglicher erster erfolgreicher Angriff iranischer Akteure auf eine britische Energieanlage. Der Name des Betreibers wurde aus Sicherheitsgründen nicht veröffentlicht.
Die britische Regierung bestätigte diversen Medien, dass ein kleiner Energieerzeuger betroffen war, widersprach jedoch Berichten über einen Angriff auf das gesamte Stromnetz. Nach Angaben von Energieminister Michael Shanks bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die landesweite Stromversorgung; außerdem gab es keine großen Stromausfälle.
National Cyber Security Centre wurde informiert
Der Vorfall wurde dem britischen National Cyber Security Centre (NCSC) gemeldet. Die Behörde habe keine weiteren Ausfälle bei regulierten großen Kraftwerksbetreibern registriert. Das Energieministerium und das NCSC informierten nach dem Vorfall Führungskräfte von Energieunternehmen über zusätzliche Schutzmaßnahmen.
Wer hinter dem Angriff steht, ist offiziell nicht bestätigt. Mehrere Medien bringen ihn mit iranisch unterstützten Gruppen in Verbindung, darunter den CyberAv3ngers. Die britischen Behörden äußerten sich bislang nicht zur konkreten Zuschreibung.
Der Cyberangriff auf eine britische Energieanlage zeigt ganz abgesehen vom konkreten Angriff: Ein Angriff muss kein gesamtes Stromnetz lahmlegen, um reale operative Auswirkungen zu haben. In einem aktuellen Blogbeitrag ordnet TrendAI den Vorfall ein und analysiert, welche Angriffsszenarien auf Basis vergleichbarer, dokumentierter OT-Angriffe denkbar wären.
Der Vorfall steht dabei in einem größeren Kontext: Zeitgleich wurden auch dokumentierte Cyberangriffe auf US-Wasserinfrastrukturen bekannt. Zudem warnten sechs US-Bundesbehörden im Juli 2026 vor Angreifern, die internetzugängliche Programmable Logic Controllers (PLCs) ausnutzten, die physische Prozesse in Regierungs-, Wasser- und Energieinfrastrukturen steuern.
Betreiber hatte vier Tage Ausfall – nur ein Test?
Was bedeuten vier Tage Ausfall aus technischer Sicht? Die Dauer des Ausfalls lässt nicht automatisch auf eine dauerhafte Kontrolle oder umfangreiche Manipulation der Systeme schließen. Auch eine vorsorgliche Abschaltung während Untersuchung und Wiederanlauf wäre denkbar.
„Ob der gemeldete Ausfall durch einen direkten Eingriff in die OT, eine Kompromittierung unterstützender Systeme oder eine vorsorgliche Abschaltung durch die Betreiber verursacht wurde – das Ergebnis ist dasselbe“, sagt Udo Schneider, Governance, Risk & Compliance Lead Europe bei TrendAI. „Ein Cybervorfall führte zu einer messbaren Betriebsunterbrechung. Für Organisationen, die kritische Prozesse steuern, ist allein das bereits von Bedeutung.“ Im vollständigen Blogbeitrag analysiert TrendAI im Detail mögliche Angriffspfade sowie konkrete Maßnahmen für Betreiber kritischer Infrastrukturen.
Red./sel