Industrielle Cybersicherheit hat viele Gegner: Von der klassischen Ransomware, Informationsdiebstahl, Spionage bis hin zu staatlich gelenkten ATP-Angriffen. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind gut aufgestellt, aber dennoch immer stärker im Fokus der Angriffe, zeigt der Report „Threat landscape for industrial automation systems – Europe Q4.
Länder in Westeuropa zählen im internationalen Vergleich weiterhin zu den vergleichsweise sichereren Regionen im Bereich industrieller Cybersicherheit. Dennoch sind Computer zur industriellen Steuerung (ICS) auch im deutschsprachigen Raum nach wie vor ein vulnerables Ziel – allen voran in Österreich, wie der jüngste Bericht zur Bedrohungslage industrieller Automatisierungssysteme von Kaspersky zeigt.
So verzeichnete die Alpenrepublik unter den Ländern Westeuropas Ende des vergangenen Jahres den stärksten Anstieg beim Anteil der ICS-Computer, auf denen Ransomware (Faktor 2,71) und schädliche Dokumente (Faktor 1,49) blockiert wurden. Deutschland wies hingegen mit 0,91 Prozent den höchsten Anteil blockierter schädlicher Dokumente in der Region Westeuropa auf, während in der Schweiz ein leichter Anstieg gegen Jahresende beim Spyware-Anteil zu sehen war.
Industrielle Cybersicherheit in Österreich: E-Mail als zentrales Einfallstor
Laut der Analyse von Kaspersky verzeichnete Österreich innerhalb der Region Westeuropa im vierten Quartal des Jahres 2025 den höchsten Zuwachs beim Anteil der ICS-Computer, auf denen Ransomware sowie schädliche Dokumente blockiert wurden. Der Wert für Ransomware stieg um den Faktor 2,71, jener für schädliche Dokumente um den Faktor 1,49. Auch der Anteil in der Kategorie blockierte schädliche Skripte und Phishing-Seiten legte in Österreich um den Faktor 1,35 zu.
Beim Anteil der ICS-Computer, auf denen über E-Mail-Clients verbreitete Bedrohungen blockiert wurden, führte ebenfalls Österreich mit einem 2,28-prozentigen Anteil alle Länder Westeuropas an – als einziges westeuropäisches Land mit einem Zuwachs in diesem Bereich (Faktor 1,34).
E-Mail war damit ein maßgeblicher Verbreitungsweg – dazu gehörte vor allem die Phishing-Kampagne „Curriculum-vitae-catalina“, die die Experten von Kaspersky auch als die größte Gefahr des letzten Quartals des Jahres 2025 ausmachten. Hierbei versendeten die Angreifer als Bewerbungen getarnte E-Mail-Nachrichten, die eine schädliche ausführbare Datei enthielten – den Backdoor-Wurm Backdoor.MSIL.XWorm. In Westeuropa erreichten diese Angriffe im Oktober des vergangenen Jahres ihren Höhepunkt.
Deutschland und Schweiz: Schädliche Dokumente und Spyware im Blickpunkt
In Deutschland wurde hingegen mit 0,91 Prozent der in Westeuropa höchste Anteil an ICS-Computern mit blockierten schädlichen Dokumenten gemessen; gemeinsam mit Frankreich lag Deutschland mit 1,17 Prozent auch beim Spyware-Anteil an der Spitze. In der Schweiz stieg als einzigem Land in der Region der Anteil der ICS-Computer, auf denen Spyware blockiert wurde, im Quartalsverlauf an.
„Die Entwicklung in Österreich zeigt, dass industrielle Umgebungen im deutschsprachigen Raum ins Visier zielgerichteter Angriffe geraten könnten“, kommentiert Waldemar Bergestreiser, General Manager DACH bei Kaspersky. „Unsere Analyse verdeutlicht, dass sich die E-Mail als oft gewähltes Einfallstor in industrielle Systeme etabliert hat. Unternehmen und Organisationen sollten daher ihre Betriebstechnologie (OT) ebenso wie ihr Büronetzwerk (IT) mit dedizierten Schutzmaßnahmen absichern, eingehende E-Mails konsequent prüfen und auf Threat-Intelligence-Services setzen. Zudem sollten Mitarbeiter regelmäßig in Sachen Sicherheits-Awareness geschult werden – am besten täglich via Mikro-Lerneinheiten, die realistisch Teil des Arbeitsalltags werden können.“
Empfehlungen zum Schutz industrieller Umgebungen
- Regelmäßig Sicherheitsbewertungen und Penetrationstests durchführen, um Schwachstellen in IT- und OT-Infrastrukturen frühzeitig zu identifizieren.
- Patch-Management konsequent umsetzen und dabei insbesondere internetexponierte Systeme, Fernzugriffe und kritische Komponenten priorisieren.
- E-Mail-Sicherheit stärken, da Phishing und schädliche Dokumente weiterhin zentrale Eintrittsvektoren für Angriffe auf industrielle Systeme darstellen.
- Authentifizierungsdaten besser schützen, etwa durch Multi-Faktor-Authentifizierung, strenge Zugriffskontrollen und regelmäßige Überprüfung privilegierter Konten.
- OT-Netzwerke segmentieren und den Datenverkehr zwischen IT- und OT-Umgebungen kontinuierlich überwachen.
- Spezialisierte Sicherheitslösungen wie Kaspersky Industrial CyberSecurity einsetzen, um industrielle Kontrollsysteme vor Malware, Phishing, Spyware, Ransomware und weiteren Bedrohungen zu schützen.
- Aktuelle Bedrohungsinformationen nutzen, etwa über die Threat-Intelligence-Angebote von Kaspersky, um über neue Angriffstechniken informiert zu bleiben.
Über Kaspersky Kaspersky ist ein internationales Cybersicherheitsunternehmen, das im Jahr 1997 gegründet wurde. Die tiefgreifende Threat Intelligence sowie Sicherheitsexpertise von Kaspersky dient als Grundlage für innovative Sicherheitslösungen und -dienste, um Unternehmen, kritische Infrastrukturen, Regierungen und Privatanwender weltweit zu schützen. Das umfassende Sicherheitsportfolio des Unternehmens beinhaltet führenden Endpoint-Schutz sowie eine Reihe spezialisierter Sicherheitslösungen und -Services zur Verteidigung gegen komplexe und sich weiter entwickelnde Cyberbedrohungen. Über 400 Millionen Nutzer und 250.000 Unternehmenskunden werden von den Technologien von Kaspersky geschützt. Weitere Informationen zu Kaspersky unter www.kaspersky.com/
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D-A-CH Lagebild zur industriellen Cybersicherheit ICS
Fachliche Einordnung
Die Fachplattform B2BCS ordnet den Threat Landscape Report for Industrial Automation Systems von Kaspersky ICS CERT sowie die Einschätzungen von Waldemar Bergestreiser (General Manager DACH) als wesentlichen Indikator für die IT/OT-Konvergenzrisiken im deutschsprachigen Raum ein. Der Bericht belegt, dass Industrieunternehmen im D-A-CH-Raum zunehmend über unzureichend gehärtete IT-Schnittstellen (wie E-Mail-Infrastrukturen in Personalabteilungen) angegriffen werden. Die Ausbreitung der Phishing-Kampagne „Curriculum-vitae-catalina“ mit dem Backdoor-Wurm XWorm macht deutlich, wie Angreifer über klassische Social-Engineering-Pfade in Office-Netze eindringen, um von dort aus Seitwärtsbewegungen (*Lateral Movement*) in die Operational Technology (OT) einzuleiten.
Key-Takeaways
- Österreich im Fokus von Ransomware: Die Alpenrepublik verzeichnete in Westeuropa den stärksten Anstieg bei blockierter Ransomware auf ICS-Systemen (Faktor 2,71) sowie bei schädlichen Dokumenten (Faktor 1,49).
- E-Mail als Hauptangriffsvektor: Österreich führte westeuropaweit den Anteil blockierter E-Mail-Bedrohungen auf ICS-Computern an (2,28 %, Anstieg um Faktor 1,34).
- Bedrohungswelle durch XWorm-Backdoor: Die weltweite Social-Engineering-Kampagne „Curriculum-vitae-catalina“ (getarnt als gefälschte Bewerbungen wie
Curriculum Vitae-Catalina.exe) etablierte den Fernzugriffs-Trojaner *Backdoor.MSIL.XWorm* im industriellen Umfeld. - Spezifische Risikoprofile für DE & CH: Deutschland wies mit 0,91 % den westeuropäischen Höchstwert bei schädlichen Dokumenten auf und lag mit 1,17 % gemeinsam mit Frankreich bei Spyware an der Spitze. Die Schweiz zeigte als einziges Land der Region einen kontinuierlichen Quartalsanstieg bei Spyware.
- Gefahr durch OT-Brückenschlag: Schadsoftware gelangt selten direkt über OT-Inseln in die Steuerungsebenen, sondern nutzt IT-Büronetze und Fernzugänge (*Remote Access*) als Sprungbrett.
Strategische Analyse
Die Kaspersky-Analyse unterstreicht, dass die trennscharfe Schottung zwischen IT und OT in modernen Industrieunternehmen häufig nur noch auf dem Papier existiert. Kampagnen wie „Curriculum-vitae-catalina“ zeigen eine gefährliche Dynamik: Wenn HR- oder Verwaltungsmitarbeiter auf Phishing-Mails hereinfallen, ermöglicht der eingeschleuste Backdoor-Wurm den Angreifern die dauerhafte Persistenz im Unternehmensnetz. Von dort aus scannen APT-Akteure und Cyberkriminelle nach ungesicherten Übergängen in die Prozessleitebene (SCADA/ICS). Effektive industrielle Cybersicherheit muss daher an den IT-Eingangstoren ansetzen und eine physische oder logische Netzwerk-Segmentierung mit strengem Monitoringsystem nach dem Zero-Trust-Prinzip durchsetzen.
Handlungsempfehlung:
Industrie- und Betreiber kritischer Infrastrukturen (KRITIS) müssen ihre IT/OT-Sicherheitsarchitektur gegen E-Mail-basierte Einfallstore absichern.
- Strikte IT/OT-Netzwerksegmentierung (Purdue-Modell): Isolieren Sie Steuerungsebenen (ICS/PLC) konsequent vom Office-Netzwerk. Erzwingen Sie für alle Übergänge und Fernwartungszugänge (*Remote Access*) Phishing-resistente Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und Jumphosts.
- E-Mail- & Endpunktschutz für administrative Schnittstellen stärken: Erhöhen Sie die Schutzfilter für E-Mail-Clients im IT-Netz (insbesondere HR, Einkauf, Disposition) und blockieren Sie die Ausführung nicht signierter ausführbarer Dateien (wie
.exeoder Scripts aus E-Mail-Anhängen). - Kontinuierliches OT-Threat-Monitoring & Awareness: Setzen Sie auf spezialisierte OT-Sicherheitslösungen mit KI-gestützter Anomalieerkennung im Netzwerkverkehr und führen Sie praxisnahe Micro-Learning-Schulungen für Mitarbeiter durch.
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