Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA zwei weitere Sicherheitslücken in ihren Katalog bekannter ausgenutzter Vulnerabilities (Known Exploited Vulnerabilities, KEV) aufgenommen. Darunter befindet sich die kritische SharePoint-Schwachstelle CVE-2026-50522 mit einem CVSS-Score von 9.8, die bereits aktiv von Angreifern ausgenutzt wird.
Sicherheitsforscher von watchTowr und DefusedCyber bestätigen, dass die Lücke gezielt angegriffen wird, um Maschinenschlüssel zu stehlen und Angreifern dauerhaften Zugriff auf SharePoint-Server zu verschaffen – auch nach Installation der offiziellen Sicherheitsupdates.
Kritische RCE-Schwachstelle in SharePoint
Bei CVE-2026-50522 handelt es sich um eine Remote-Code-Execution-Schwachstelle (RCE) in Microsoft SharePoint Server, die auf einem Deserialisierungsfehler bei der Verarbeitung nicht vertrauenswürdiger Daten basiert. Der Angriff nutzt den Endpunkt /_trust/default.aspx aus, der im Rahmen von WS-Federation-Anmeldungen verwendet wird. Ein Angreifer kann ein manipuliertes .NET-Objekt mit einer BinaryFormatter-Nutzlast, eingebettet in ein gefälschtes SecurityContextToken, an den SharePoint-Server übermitteln. Bei erfolgreicher Deserialisierung führt der Server den enthaltenen Code im Kontext des SharePoint-Dienstkontos aus – und das vollständig ohne Authentifizierung.
Betroffen sind SharePoint Server 2016 Enterprise, SharePoint Server 2019 sowie SharePoint Subscription Edition. SharePoint Online in Microsoft 365 ist von dieser Schwachstelle nicht betroffen, da die cloudbasierte Variante nicht die gleiche Architektur verwendet.
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Risiko mit Spätfolgen: Gestohlene Machine Keys
Das besondere an dieser Schwachstelle ist nicht nur die initiale Kompromittierung, sondern die langfristigen Folgen. Angreifer extrahieren bei erfolgreichen Attacken gezielt die ASP.NET Machine Keys der betroffenen IIS-Server. Diese kryptografischen Schlüssel werden verwendet, um Authentifizierungs-Tokens zu signieren und zu verschlüsseln. Mit den gestohlenen Machine Keys können Angreifer gültige Authentifizierungstokens selbst erstellen, sich als beliebige legitime Benutzer ausgeben, auf SharePoint-Websites, Dokumente und Ressourcen zugreifen und – entscheidend – dauerhaften Zugriff behalten, selbst nachdem das Sicherheitsupdate installiert wurde. So erklären es auch die Experten von watchTowr.
Microsoft schloss die Lücke ursprünglich am 14. Juli 2026 im Rahmen des monatlichen Patchdays und stufte die Ausnutzung zunächst als „wahrscheinlich“ ein. Bereits am 20. Juli wurde ein öffentlicher Proof-of-Concept-Exploit auf GitHub veröffentlicht. Laut watchTowr begannen Angreifer innerhalb weniger Stunden nach Veröffentlichung des PoC damit, On-Premise-Installationen systematisch anzugreifen. Branchenberichten zufolge sind weltweit mehr als 10.000 SharePoint-Server weiterhin ungeschützt und stellen ein leichtes Ziel für automatisierte Angriffskampagnen dar.
Expertenwarnung von watchTowr: Patchen allein reicht nicht
Sicherheitsforscher von watchTowr betonen ausdrücklich (LinkedIn-Link), dass das Einspielen des Sicherheitsupdates allein nicht ausreichend ist, wenn betroffene Systeme bereits kompromittiert wurden. Die klare Empfehlung lautet: „Patchen allein genüge nicht, auf potenziell exponierten Systemen gehörten die Zugangsdaten erneuert.“ Dieses Muster ist bereits vom ToolShell-Angriff im Sommer 2025 bekannt – auch dort war der Diebstahl der Machine Keys der eigentliche Schaden, nicht der erste Einbruch selbst.
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Über die CISA
Die amerikanische Cybersecurity and Infrastructure Security Agency: Als nationale Cyberabwehrbehörde und nationaler Koordinator für die Sicherheit kritischer Infrastrukturen leitet die Cybersecurity and Infrastructure Security Agency die nationalen Bemühungen, die Risiken für die digitale und physische Infrastruktur, auf die sich die Amerikaner stündlich verlassen, zu verstehen, zu managen und zu reduzieren.
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