Ein anonymer Sicherheitsforscher hat im inzwischen gelöschten GitHub‑Repo „Exploitarium“ dutzende Zero‑Day‑Exploits für populäre Open‑Source‑Projekte offengelegt – darunter kritische RCE‑Lücken in libssh2 und eine Admin‑Übernahme in Gitea mit CVSS bis 9.8. Mindestens zwei der Schwachstellen mit CVSS‑Scores im kritischen Bereich werden bereits aktiv angegriffen.
Unter dem Pseudonym „bikini“ veröffentlichte ein bislang unbekannter Sicherheitsforscher Ende Juni im GitHub‑Repository „Exploitarium“ fertige Proof‑of‑Concept‑Exploits und technische Beschreibungen für bislang undokumentierte Schwachstellen in rund 15 Projekten – darunter libssh2, Gitea, OpenVPN, FFmpeg, 7‑Zip, VLC, AnyDesk, RustDesk, Splunk und c‑ares. Die Sammlung umfasste über 20 Ordner und laut mehreren Berichten sogar dutzende potenzielle Exploits, bevor GitHub das Repository wieder entfernte.
Schwachstellen werden teils aktiv ausgenutzt
Laut The Register und weiteren Quellen werden mindestens zwei der veröffentlichten Lücken bereits aktiv ausgenutzt – eine Remote‑Code‑Ausführung in libssh2 sowie eine Authentifizierungs‑Bypass‑Schwachstelle in Gitea. Beide tragen inzwischen offizielle CVE‑Kennungen und erreichen kritische CVSS‑3.1‑Scores, was sie unmittelbar relevant für Betreiber macht.
Wichtige Schwachstellen aus dem Exploitarium-Paket
CVE‑2026‑55200, libssh2, CVSS 9.2 – kritisch: Die libssh2‑Bibliothek zur Implementierung des SSH‑2‑Protokolls leidet unter einer ungeprüften Paketlängen‑Behandlung im Transport‑Parser, was zu einem Heap‑Out‑of‑Bounds‑Write führt. Ein entfernter Angreifer kann speziell präparierte SSH‑Pakete mit übergroßen packet_length‑Werten senden und so Heap‑Speicher korrumpieren, um Remote‑Code‑Ausführung vor der Authentifizierung zu erreichen. NVD bewertet die Schwachstelle mit einem CVSS‑Basiswert von 9.2 (kritisch), ein Fix ist bereits in den libssh2‑Quellzweig eingepflegt, aber noch nicht in einem Release ausgeliefert.
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CVE‑2026‑20896, Gitea, CVSS 9.8 – kritisch: In Gitea‑Installationen auf Docker‑Basis ermöglicht eine fehlerhafte Rechte‑ und Authentifizierungsprüfung einen globalen Admin‑Bypass, über den Angreifer die Kontrolle über den Git‑Server übernehmen können. Die Lücke wird mit einem CVSS‑Score von 9.8 bewertet und betrifft selbst‑gehostete Gitea‑Instanzen, die den betroffenen Docker‑Backend‑Pfad nutzen. Das Projekt hat nach Bekanntwerden der Exploits die Schwachstelle mit Gitea‑Version 1.26.3 geschlossen, Administratoren sollen umgehend aktualisieren.
Weitere Schwachstellen sind noch nicht vollends katalogisiert
Der ursprüngliche Register‑Bericht nennt zusätzlich eine verwundbare Gitea‑act_runner‑Konfiguration (Docker‑Backend), über die bei falscher Isolation ein Root‑Level‑Container‑Escape möglich ist; diese Lücke wurde teils unter einer separaten Kennung wie CVE‑2026‑58053 diskutiert, ist aber noch nicht in allen Übersichten erfasst. Weitere Einträge im „Exploitarium“‑Repo betreffen unter anderem einen möglichen DoS bzw. Speicherfehler in c‑ares, einen Heap‑Overflow im FFmpeg‑RASC‑Decoder sowie Konfigurationsprobleme in der AWS‑Emulationslösung Floci, die bislang teils ohne offizielle CVE‑Kennung geführt werden.
Mehrere Experten betonen, dass das Exploitarium-Paket eine Mischung aus hochgradig ausnutzbaren Schwachstellen und eher schwachen oder stark bedingten AI‑fuzzing‑Funden enthält, die Maintainer sorgfältig validieren müssen. Dennoch zeigen libssh2 und Gitea, dass reale, bereits dokumentierte und nun aktiv angegriffene Schwachstellen im Paket stecken, die sofortige Reaktionen erfordern.
Warum hat der Forscher das gemacht? Nach unbestätigten Berichten soll der Forscher er AI‑basiertes Fuzzing genutzt und den Exploit‑Code überwiegend manuell geschrieben hat, um zu zeigen, was heute mit automatisierter Analyse möglich ist. Gleichzeitig wollte er Aufmerksamkeit erzeugen.
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